Steve Aoki

Interview: Alex Gernandt

Steve Aoki ist einer der zehn bestverdienenden DJs im Business und jettet jährlich mehrfach um die Welt. Zuletzt trat er in Deutschland beim Chiemsee Reggae Open-Air auf. Als Sohn des japanisch-amerikanischen Profi-Wrestlers Hiroaki „Rocky“ Aoki wurde Steve am 30. November 1977 in Miami/ Florida geboren. Schon früh zog die Familie nach Newport Beach/ Kalifornien, wo er mit seinen vier Geschwistern, darunter Topmodel Devon Aoki, aufwuchs. Seine Anfänge im Musikbiz hatte er jedoch nicht als DJ, sondern als Musiker in extremen Hardcore-Bands. Heute ist der charismatische Aoki nicht nur DJ, sondern auch Remixer von Künstlern wie Snoop Dogg, Drake, Lenny Kravitz, Linkin Park, Kid Cudi oder Duran Duran sowie Besitzer eines eigenen Platten- und Mode-Labels („Dim Mak“). Sein aktueller Hit ist „Can’t go home“ in Zusammenarbeit mit dem deutschen DJ-Kollegen Felix Jaehn und Sänger Adam Lambert. Auf Netflix berichtete er in der Doku „I’ll sleep when I’m dead“ aus seinem turbulenten Leben. Wir trafen STEVE AOKI zum exklusiven Interview…

RIZE: Kürzlich sind Sie beim Chiemsee Open-Air aufgetreten. Hatten Sie dort Spaß?

Steve Aoki: Ja! Ich liebe dieses Festival! Da waren viele coole Leute und eine großartige Atmosphäre mitten in der Natur. Es hat großen Spaß gemacht, dort aufzulegen.

RIZE: Hatten Sie auch Zeit, München zu besuchen?

Steve Aoki: Diesmal habe ich von München leider nur den Flughafen gesehen. Ich erinnere mich aber noch gut an meinen Auftritt im P1 vor fünf Jahren. Das war eine wilde Nacht!

RIZE: Sie spielen 200 Gigs auf Ihrer Tour. Chiemsee, Ibiza, Mailand, Montreal, Las Vegas bis Indonesien… Kommt es vor, dass Sie morgens aufwachen und nicht wissen, wo Sie sind?

Steve Aoki: Das kommt des öfteren vor, ja (lacht). Aber ich liebe es zu reisen, neue Eindrücke vom Leben andernorts zu gewinnen und immer neue Menschen kennenzulernen. Das ist das Interessante an meinem Job

RIZE: Haben Sie als DJ eine Philosophie?

Steve Aoki: Ich will mit meinem Set jeden Abend eine Story erzählen, eine Spannung aufbauen und am Ende folgt dann der Höhepunkt, wenn alles so läuft, wie ich es mir vorstelle. Ich will die Leute im Club mit meinen Sounds und Songs überraschen. Mein Ziel ist es, ihnen den besten Höhepunkt zu verschaffen, den sie haben können (lacht).

Musik wird meiner Meinung nach durch Emotion gepowert, es muss Energie fliessen. Dann ist es gut.

RIZE: Sie wurden 1977 in Miami geboren, wuchsen aber in Kalifornien auf, als Sohn eines berühmten Profi-Wrestlers, der sogar in die „Wrestling Hall of Fame“ aufgenommen wurde. Was hat Ihnen Ihr Vater mit auf den Weg gegeben?

Steve Aoki: Seine Erziehungsmethode war „tough love“. Er war relativ streng, aber es liess mir auch Freiheiten, liess mich experimentieren. Er sagte, dass man im Leben Fehler machen darf und muss, um zu lernen. Das fand ich gut. Zum Erfolg gehört harte Arbeit, das war sein Credo. Und es stimmt.

RIZE: Haben Sie Ihr musikalisches Talent von Ihrem Vater geerbt? Als junger Mann spielte er ja in einer Rock’n’Roll-Band namens „Rowdy Sounds“…

Steve Aoki: Das hat er mir nie erzählt, denn er hat kaum über seine Vergangenheit gesprochen. Ich habe das mit seiner Band erst relativ spät erfahren. Ich denke, dass ich möglicherweise unterbewusst davon beeinflusst wurde. Musik ist meine Berufung, ich muss das wohl in meiner DNA haben.

RIZE: Sie fingen Ihre Musikkarriere aber nicht als DJ an…

Steve Aoki: Nein. Ich brachte mir als Teenager das Gitarrespielen bei, allerdings mehr schlecht als recht. Aber für den Hardcore-Sound, den ich mit meiner Hobby-Band machte, reichte es. Meine Vorbilder waren harte Bands wie die Misfits oder Minor Threat. Meine Band hieß „This Machine Kills“. Der Name kommt von der amerikanischen Folk-Legende Woodie Guthrie. Er hatte seine Gitarre „This Machine Kills“ getauft. Wir spielten damals erste kleine Konzerte, und als ich 18 war, gingen wir auf Tour. Vor Publikum aufzutreten machte mir Spaß, es gab mir Selbstvertrauen.

RIZE: Und irgendwann haben Sie dann Plattenspieler und Computer zum Musikmachen entdeckt…

Steve Aoki: So war es. Meinen ersten eigenen Electro-Song veröffentlichte um 2002 bei itunes. Und irgendwann habe ich dann in einer Bar in Los Angeles zum ersten Mal aufgelegt. Vinyl. Meine ersten Gagen bekam ich in Cash. Ich hatte meine Ersparnisse in einer braunen Papiertüte gesammelt. Da waren lauter 10- und 20-Dollar-Noten drin. Das sah aus wie „Stripper-Money“ (lacht).

RIZE: Was haben Sie sich vom ersten Geld gekauft?

Steve Aoki: Zuerst mal habe ich Schulden abbezahlt! Vom Rest habe ich mir einen Wagen gekauft, einen gebrauchten Toyota Prius. Das war 2007 und ein gutes Gefühl.

RIZE: Wie lief Ihr Einstieg ins professionelle Musik-Business?

Steve Aoki: Irgendwann hatte ich erste Engagements als DJ, u.a. in Las Vegas, damals noch parallel zu meiner Rock-Band. Ich entdeckte EDM, Electronic Dance Music. Und 2004 bekam plötzlich ich den Auftrag, einen Remix für die englische Band Bloc Party zu machen. Der Song hieß „Helicopter“ und war meine erste professionelle Platte. Von da an ging’s dann langsam los.

RIZE: Es wird immer öfter behauptet, DJs seien die neuen Rockstars. Sehen Sie das auch so?

Steve Aoki: Ich sehe, welche Aufmerksamkeit mir und Kollegen wie Skrillex, Avicii oder Felix Jaehn zu teil wird. Ich verstehe daher diesen Vergleich, weil wir hinter den Turntables auf einer Bühne stehen und unten Fans tanzen und auf unseren Sound abgehen, eben wie bei einem Rock-Konzert. Aber ich selbst kann mich mit diesem Vergleich nicht wirklich identifizieren – ich sehe mich aber eher als Künstler denn als Rockstar.

RIZE: Ihr Vater Rocky verstarb 2008. Hat er Ihren Erfolg noch miterleben können?

Steve Aoki: Ja, die ersten Erfolge hat er noch mitbekommen. Und er war ziemlich stolz. Das war mir wichtig. Ich wollte meinem erfolgreichen Übervater schließlich beweisen, dass ich es schaffen kann in meinem Business. Dann verstarb er leider und hat die größeren Erfolge, die ich jetzt habe, nicht mehr mitbekommen…