Die Superklasse-Frau

Model Sabine Holbrook
Postproduction Karolina Berdycka
Photographer Markus Hofmann
white-photo.com
Make-up/Hair Hanna Huenlich
Styling Kinga Horvath
Fashion WOLFORD
Watch Tag Heuer

Was würden Sie machen, wenn Sie gerade den Motorrad-Führerschein frisch in der Tasche haben? Eine Ausfahrt übers Land? Eine Tour an den Gardasee? Die Schweizerin Sabine Holbrook fragte einen Rennveranstalter, ob sie sich am Ende seines Rennens anstellen und mitfahren könne. Sie durfte und schaffte es durch das gesamte Rennen und beendete es zur Krönung auf einem besseren Platz als sie startete.

Nicht mal fünf Jahre später fährt sie in der Supersport-Klasse in ihrer ersten Rennsaison und ohne jegliche Streckenkenntnisse unter die Top 10 von 40 Teilnehmern. 2014 wechselt die 34-jährige Mutter zweier Kinder in die Alpe Adria Championship und lässt als einzige Frau der Superbike-Klasse Rennen um Rennen mehr offene Münder am Streckenrand und frustrierte männliche Kontrahenten auf dem Rennasphalt hinter sich… Wir haben SABINE HOLBROOK zum Interview getroffen.

RIZE: Kennen Sie denn gar keine Angst?

Sabine Holbrook: Doch, klar, hab ich auch mal Angst. Aber nicht vorm Rennfahren. Wenn ich fahre, habe ich vielmehr Respekt als Angst. Schließlich beeinflussen viele Faktoren wie Reifen, Federung oder die mentale und physische Stärke die Performance. Und alle müssen letztendlich harmonisieren. Doch für Motorradfahrer ist dieses Gefühl einfach einzigartig. Hat man es einmal erlebt, ist es kaum zu toppen.

Aber wie kommt man dazu, diese Herausforderung zu wagen?

Schon als Kind wollte ich schon immer aufs Bike, aber meine Mutter erlaubte es nie. Also erfüllte ich mir den Traum, als ich älter war und kaufte mir mein erstes Motorrad. Mein Fahrlehrer meinte, ich hätte Talent und schlug mir ein Fahrtraining vor. Das war auch meine erste Erfahrung mit einer Rennstrecke. Vom ersten Moment an war ich mit dem „Renn-Virus“ infiziert!

Ihr Aufstieg im Renn-Business hat in der Szene für Furore gesorgt. Welche Ziele verfolgen Sie persönlich?

2015 betrachte ich mit der Umstellung auf die 1000ccm-Klasse und dem jetzt deutlich PS-stärkeren Bike als Lernjahr. Nicht zuletzt natürlich auch aufgrund des großen Feldes sehr talentierter Fahrer, in dem jeder mich unbedingt schlagen will. Doch um ehrlich zu sein, denke ich in diesem Jahr noch nicht an Platzierungen. Läuft diese Saison jedoch wie geplant, wäre es fantastisch im kommenden Jahr unter die Top 10 zu kommen. Das wäre ein durchaus mögliches Ziel – wenn nicht sogar unter die Top 6.

Aktuell sind Sie auf einer BMW S 1000 RR unterwegs – ein echtes Geschoss. Welches Gefährt würde Sie noch reizen?

Keines eigentlich. Ich bin rundum glücklich mit der RR. Sie ist schließlich eine der besten 1000ccm-Bikes überhaupt. Außerdem bin ich ohnehin in der glücklichen Lage, immer wieder mal andere BMW-Modelle zu testen. Neulich zum Beispiel erst die RnineT – was für ein großartiges Motorrad für die Straße!

Ihre Leidenschaft für den Motorsport merkt man Ihnen sofort an und scheint Ihnen sehr viel zu bedeuten.

Absolut! Vor allem Motorradrennen sind zu einem integralen Bestandteil meines Lebens geworden. Ein Wettbewerbstyp war ich schon immer, darum passt dieser Sport auch perfekt zu mir. Es gibt nichts, was nur annähernd an den Adrenalinrausch herankommt, mit dieser unvorstellbaren Geschwindigkeit. Das Konzentrationslevel, das man benötigt, um das Bike Runde für Runde mit absoluter Präzision so schnell es nur irgendwie geht durch den Circuit zu bringen, ist hoch. Jede Zehntelsekunde kann den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen. Das ist genau die Herausforderung, die ich brauche – sowohl mental, als auch physisch. Und Rennenfahren ist für mich der einzige Weg, die zu bekommen.

Was macht Sie glücklich?

Abseits des Motorradfahrens liebe ich es, Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Ich genieße es auch wahnsinnig, Freunde einzuladen und etwas leckeres für uns zu kochen. Natürlich gehe ich auch gerne shoppen wie jede Frau, aber aus Zeit- und Geldmangel kommt das meist zu kurz. Großartige Erinnerungen weckt vor allem immer wieder unser letzter Familienurlaub, als wir zusammen in Frankreich campen waren. Während der Rennsaison sind Urlaube unmöglich. Mein großer Traum ist es, einestages mit einer Enduro durch Lateinamerika zu fahren.

Mit Ihrem Enthusiasmus und Ihrer Power inspirieren Sie bestimmt weitere Frauen, sich im Motorradsport zu versuchen. Welchen Rat können Sie ihnen auf den Weg geben?

Frauen, habt vor allem keine Angst, sondern arbeitet stetig und konstant daran, eure Ziele zu erreichen. Macht einfach solange weiter bis ihr an eurem Ziel angelangt seid! Denn letztendlich ist es doch so: Wenn der Traum groß genug ist, zählen die Fakten nicht mehr!