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Die deutsche Chronometerprüfung

Seit 2009 ist MARC AUTMARING Geschäftsführer der Wempe Niederlassung München Weinstraße. Seine große Leidenschaft für Uhren teilt er täglich mit Kunden, Sammlern und Enthusiasten aus aller Welt. In dieser und den nächsten RIZE-Ausgaben wird er jeweils einen Begriff aus der Welt der Feinuhrmacherei erläutern.

Als Juwelier werde ich oft gefragt, was genau ein Chronometer ist. Tatsächlich wird dieser gern mit dem Chronographen verwechselt: ‚Chronograph’ bedeutet nichts anderes als ‚Zeitschreiber’, also eine Uhr mit Sekundenstopp-Funktion. ‚Chronometer’ dürfen sich dagegen nur Zeitmesser nennen, die ihre hohe Ganggenauigkeit in einem standardisierten Messverfahren bewiesen haben, zertifiziert durch eine offizielle Prüfstelle.

Seit 2006 betreiben das thüringische Landesamt für Verbraucherschutz und der sächsische Staatsbetrieb für Messund Eichwesen auf dem Gelände der von Wempe wiederbelebten Sternwarte im sächsischen Glashütte Deutschlands einzige unabhängige Prüfstelle für Armbandchronometer nach DIN-Norm 8319. 15 Tage lang muss dort jede geprüfte Uhr bei Temperaturen von 8 bis 38 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von rund 50 Prozent in fünf Prüflagen beweisen, dass sie eine mittlere Gangabweichung von minus vier bis plus sechs Sekunden am Tag nicht überschreitet. Fünf Prüflagen deshalb, weil selbst ruhige Menschen ihren Arm täglich etwa 7000 mal bewegen. Eine weitere Besonderheit der deutschen Norm ist, dass die Uhr sekundengenau einstellbar sein muss und das Werk den Testgang nicht separat, sondern komplett im Gehäuse montiert durchläuft, um eventuelle Abweichungen auszuschließen.

Der Sinn eines solchen Verfahrens wird klar, wenn man weiß, welche Gründe zur Erfindung des Chronometers geführt haben: Noch bis ins 18. Jahrhundert konnten die meisten Seefahrer ihre Position nicht exakt berechnen, ihnen fehlte ein verlässlicher Zeitmesser zur Bestimmung des genauen Längengrades. Die Folge: Irrfahrten und Schiffsunglücke. Das änderte sich erst 1759 mit der Erfindung des Chronometers durch den Engländer John Harrison. Ihm gelang es, einen Zeitmesser zu fertigen, der so präzise war, dass man damit den Zeitunterschied zwischen Heimathafen und der Uhrzeit an Bord genau festlegen konnte. Dadurch ließen sich auch der Längengrad und damit die Position des Schiffes exakt
bestimmen.

Auch heute noch gibt es Situationen, in denen sich die Menschen auf die Genauigkeit ihres Chronometers verlassen müssen. Deshalb sind wir sehr stolz, dass alle Wempe Glashütte i/SA Armbanduhren aus unserer Produktionsstätte in der historischen Sternwarte die strenge Kontrolle bestanden haben und offiziell die Bezeichnung „Chronometer“ auf dem Zifferblatt tragen dürfen.

Ihr Marc Autmaring

www.wempe.de
www.marcautmaring.de

Präzisionsuhr nach deutscher Chronometerprüfung: „Wempe Chronometerwerke Gangreserve“. Die Geometrie des Zifferblattes und der Anzeigen sind typisch für die früher unentbehrlichen Schiffschronometer, deren Bau bei Wempe Tradition hat. Wie die historischen Vorbilder trägt die Armbanduhr das Kreissegment der Gangreserveanzeige bei 12 Uhr, traditionell beschriftet mit „Auf“ und „Ab“, außerdem eine vertiefte kleine Sekunde bei 6 Uhr. Jeweils drei Ausführungen in Edelstahl und Gelbgold mit Stabindizes, römischen oder arabischen Ziffern. Für das neue Manufakturkaliber CW3 mit 42 Stunden Gangreserve wurde ein rundes Gehäuse wurde ein rundes Gehäuse mit 43 Millimetern Durchmesser
und einer Höhe von 12,5 Millimetern konstruiert.