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5 Jahre Einsamkeit

Text: David Lemmer

ÜBER JAHRE HINWEG DURCHREISTE MICHAEL MARTIN DIE GRÖSSTEN WÜSTEN DER ERDE. DOCH IN DER VERMEINTLICHEN ÖDNIS FAND ER KEINESWEGS EINTÖNIGKEIT. SEIN NEUER BILDBAND „PLANET WÜSTE“ ZEIGT FORMEN  VOLLENDETER GRAZIE, FARBSPIELE VON PACKENDER INTENSITÄT, FASZINIERENDE STRUKTUREN UND DIE WÜSTE ALS RAUM KUNSTVOLLER SCHÖNHEIT. ES IST DAS BILD EINER ANDEREN SEITE.

Die Erde wird für uns Menschen allmählich zu eng, ja zu klein! Explosionsartiges Bevölkerungswachstum auf unserem Planeten lässt Städte zu Megacities werden, Wohn- und Lebensräume werden dadurch kleiner, neue Konflikte entstehen. Doch dieses Szenario der Überbevölkerung trifft nur auf eine Hälfte der Landoberfläche unserer Erde zu. Auf der anderen herrscht gespenstische Stille und schier endlose Einsamkeit. Es sind die Wüsten unseres Planeten. Rund 50% der Landfläche nehmen sie ein. Und scheinbar unbeeindruckt von der Evolution des Menschen „gehen“ sie ihren eigenen Weg durch die Erdgeschichte.

Ob als Lebens- oder Transitraum, Wüsten sind für den Menschen feindlich. Sie gelten als gefährlich, unberechenbar und unbezwingbar. Es ist keine Kraft, der sich der Mensch gegenüber ausgeliefert sieht. Es ist die Weite, Stille und die vermeintliche Leblosigkeit, die ihn scheinbar ohnmächtig macht.

Als Wüste gilt eine Landschaft, deren Oberfläche zu nicht mehr als 5% von Vegetation bedeckt ist. Doch auch wenn sie im krassen Gegensatz zum kultivierten Erdteil steht, tot ist die Wüste keinesfalls. Wohl kaum einer bewies das in den letzten Jahren so derart bildgewaltig wie MICHAEL MARTIN. Bereits seit seiner Jugend bereist der heute 52-jährige Diplom-Geograph, Fotograf und Autor mit seiner Kamera die entlegensten Regionen. In über 30 Jahren kamen so über 80 Reisen, 15 Bildbände und über 1.700 Diavorträge zusammen.

Als studierter Geograf, Völkerkundler und Politikwissenschaftler üben Wüsten als „Räume, die vom Menschen nicht komplett verändert wurden“ einen besonderen Reiz aus, wie er erklärt. Die Welt, wie wir sie kennen, ist die, die wir sehen. Es ist eine Welt, die dicht bevölkert ist und immer enger wird. Die Wüste jedoch wird als toter Raum aus unserer Wahrnehmung nahezu ausgeblendet. Dabei ist sie nicht tot. Michael Martin stellt dies in seinen Multivisions-Vorträgen anhand spektakulärer Bilder und Erzählungen unter Beweis. Fünf Jahre lang durchquerte er auf 40 Reisen die Wüsten der Erde.

Durch 50 Länder verlief sein Weg. Er führte durch die Arktis und Antarktis, zum Nordkap, durch Sibirien, Alaska, Kanada, Grönland, den arabischen Rub al Khali, durch asiatische und nordamerikanische Wüsten, die Sahara, den Namib und die Kalahari, durch australische und südamerikanische Wüsten. Insgesamt vier Mal umrundete Michael Martin dabei den Erdball. Als er wieder zu Hause in München war, galt es 300.000 Fotos und 32 Filme für „Planet Wüste“ aufzuarbeiten.

So ästhetisch und verträumt seine Aufnahmen auch wirken – keineswegs geht es Michael Martin einzig darum, die Wüste als Sehnsuchtsort zu romantisieren. Mit seiner Arbeit verfolgt er auch dokumentarische und wissenschaftliche Zwecke. Durch seine langjährige Dokumentation liefern seine Bilder wichtige Bausteine für die Beantwortung so mancher noch ungelöster naturwissenschaftlicher Frage. Das 448 Seiten umfassende Buch ist zudem mit wissenschaftlichen Beiträgen angereichert.

Über Bilder will Michael Martin die Menschen erreichen. Und dabei für das „Thema Wüste“ gewinnen. Denn in Europa werden die Wüsten absolut unterschätzt. „Man sollte ihnen mehr Bedeutung geben, sie mehr schützen und wertschätzen. “Denn auch wenn seine Bilder zum Großteil einen anderen Eindruck erwecken, den Zustand und die Zukunft der noch unberührten Gebiete schätzt er zum Ende seines Buches als dramatisch ein. Meere, Regenwälder, Gebirge haben die Aufmerksamkeit, die sie brauchen. „Planet Wüste“ ist die Erinnerung, dass wir die andere Hälfte der globalen Landfläche nicht vergessen sollten.

Weitere Informationen und Tickets unter:

www.michael-martin.de