NICK FRANK – MONOSCAPES

Text: Max Marbeiter

Nachdem er lange Zeit in namhaften Werbeagenturen für renommierte Kunden für die visuelle Inszenierung von Werbekampagnen verantwortlich zeichnete, wechselte Nick Frank im Jahr 2010 die Seiten, um seine Ideen künftig in eigenen Bildern auszudrücken. Wie aus dem Art Director aus München ein Top-Fotograf wurde – und wie er seine Motive findet: RIZE stellt den 41 jährigen Künstler und seine Werke vor.

Ist ein treuer Begleiter erst einmal gefunden, weicht er nicht mehr von der Seite. Egal, wohin es geht, er muss mit. Gemeinsame Erlebnisse festigen das Verhältnis, erst recht gemeinsame Erfolgserlebnisse. So in etwa lässt sich das Verhältnis des Münchner Fotografen Nick Frank zu seiner Kamera, speziell zu seiner Leica M Monochrome beschreiben.
Ursprünglich zählte die Kamera nicht zu Franks regelmäßigen Begleitern. Denn er stand bei Foto-Produktionen gewissermaßen eine Reihe weiter hinten: Frank arbeitete als Art Director. Er inszenierte Kampagnen visuell – und das äußerst erfolgreich.

DIE SUCHE NACH DER VERLORENEN KREATIVITÄT

Irgendwann fehlte jedoch genau das, was das kreative Leben eines Kreativen auszeichnet. Emails ersetzten Konzepte, Koordination die Schöpfung. Kurz: Es fehlte ihm an Kreativität. Also machte sich Nick Frank auf die Suche. 2010 orientierte er sich neu, packte die Kamera ein und fotografierte erstmal einfach drauf los. Das Fotografieren erlernte er dabei autodidaktisch und fand auf dem Weg genau das, wonach er gesucht hatte. Die Kreativität kehrte zurück in den Alltag…
Seine Wurzeln vergaß er deshalb jedoch nicht. Im Gegenteil. Sein graphisches Knowhow, seine Erfahrungen aus der Werbung übertrugen sich auf seine Kunst, erklärt Frank. Dieser Ansatz, eine Idee auf das Wesentliche zu reduzieren, um ihre Essenz für den Kunden begreifbar zu machen, spiegle sich in seinen Fotografien wider. Ein Art Director hinter der Kamera, gewissermaßen.

DIE EIGENE WELT DES UNTERGRUNDS

Symmetrie und klare Linien. Das dominierte Franks Beruf als Art- und Creative Director und Grafiker – und das dominiert auch seine Fotografien. So suchte er nach Möglichkeiten, seine Erfahrungen aus seinem „früheren“ Leben zu transformieren und sie zu nutzen. Gefunden hat sie Nick Frank in der Münchner U-Bahn. Dort, im Untergrund, fand er eine ganz eigene Welt vor. Menschen kommen und gehen. Dramen des Alltags spielen sich ab. U-Bahn-Stationen haben die unterschiedlichsten Geschichten zu erzählen.
Frank suchte und fand sie. Seine Fotografien legen den Charakter der unterschiedlichsten Untergrundbahnhöfe offen, gehen jedoch noch einen Schritt weiter. Denn ein Stück weit schönt Frank die Realität. Kleine Unzulänglichkeiten bessert er nachträglich aus. Dabei entstehe „immer ein fiktiver Zustand eines Orts“, sagt er gegenüber Architectural Digest. Frank lässt gewissermaßen den perfekten Raum entstehen. Einen voller Symmetrien, klarer Linien und intensiver Farben.
Wo niemand ein Kunstwerk vermutete, findet Frank genau das: die Kunst des Alltags. Für sie besitzt der Münchner ein besonderes Auge. So besonders, dass er nach 2014 in diesem Jahr erneut für den Sony World Foto Award nominiert war und längst zum gefragten Fotografen aufgestiegen ist, dessen Bilder Firmen wie Apple, Camel, Chevrolet und Lufthansa gern für sich nutzen.

AUF VIRTUELLER WELTREISE MIT DER MONOCHROME

Bei seiner Recherche bedient er sich des Internets, „fliege damit quasi um die Welt“. Franks Ziel: „großflächige Motive. Sie müssen auch noch in einer super weitwinkligen Darstellung funktionieren“, sagt er zu AD. Die seien nicht einfach zu finden. Doch Nick Franck findet sie. In U-Bahnhöfen, zum Beispiel. Doch nicht nur dort.
Denn der Sucher seiner Kamera bescherte Frank eine ganz neue Perspektive. Wo eigentlich Farben seine Bilder dominierten, entzieht er sie während seiner Monoscapes-Serie seinen Motiven. „Reduce to the Max“, sei dabei das Motto, „Verdichtung“ das Ergebnis, sagt Frank.

SCHWARZ-WEISSE FASSADEN AUS EINER ANDEREN WELT

Mehrere Wochenenden lang reist er herum, fotografiert die unterschiedlichsten Gebäude und deren Architektur. Dabei findet er immer den besonderen Blickwinkel, setzt die Geometrie auf besondere Art und Weise in Szene. Einige wirken bizarr, andere wie aus einer anderen Welt. Immer dominieren klare Linien – und das Licht. Denn Nick Frank spielt mit dem Licht. Nutzt es für besondere Effekte.
Und damit nicht genug. Schließlich bringt sein geliebter Begleiter noch eine andere, ganz spezielle Eigenschaft mit. Anstatt in Farbe nimmt Franks Leica M Monochrome die Fassaden direkt in Schwarz-Weiß auf. Keine farbliche Nachbearbeitung. Kein künstlicher Schwarz-Weiß-Effekt.
So sei aus der mittlerweile drei Teile umfassenden Serie eine „fotografische Reportage, ein Tribut“ entstanden, sagte Nick Frank. Während seiner Touren habe er „viele unterschiedliche Orte, Dinge und ein großes Lichtspektrum gesehen. In gewisser Weise ist die Kamera zu meinem Begleiter geworden“. Zu einem treuen Begleiter. Einem, der Nick Frank so schnell nicht mehr von der Seite weicht.