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Peter Olsson

Peter Olsson, 53, ist Werbeprofi und Marken-Experte. Der gebürtige Schwede ist Chef mehrerer Agenturen in München. Er vertritt Joko Winterscheidt, Matthias Schweighöfer, Elyas M’Barek und Ottmar Hitzfeld. Peter Olsson schreibt als Kolumnist in RIZE – heute über den Abschied von seinem Freund und Partner Muhammad Ali, der am 3. Juni 2016 verstarb…

Muhammad Ali: THE GREATEST!

Am 3. Juni 2016 verstarb Muhammad Ali, der größte Boxer aller Zeiten, genannt „G.O.A.T.“ – „The Greatest Of All Time.“ Ali war jedoch nicht nur als Box-Champ ein Gigant, sondern auch als Mensch. Das hat ihn so besonders gemacht.

Ich hatte die große Ehre, Ali vor 14 Jahren kennenzulernen und mit ihm zusammenzuarbeiten. Das alles lief damals über Vermittlung von Franz Beckenbauer. Muhammad und seine Frau suchten einen Manager für Europa, weil sie Unterstützung benötigen. Franz hat mich vorgeschlagen. Daraufhin bin ich nach Hannover geflogen, wo ich Alis US-Anwälte vor einem Klitschko-Fight traf. Wir sprachen und sie gaben ihr OK, dass ich nach South Bend/ Indiana bei Chicago fliegen durfte, um Muhammad Ali kennenzulernen.

South Bend lebte Ali mit seiner Familie auf einem riesigen Grundstück, das sieben Gebäude umfasste und in den 1930er Jahren dem berüchtigten Chicagoer Gangsterboss Al Capone gehörte. Ich wurde von seiner Frau Lonnie im Office Building empfangen. Noch nie zuvor überkam mich so ein Gefühl von Respekt und Ehrfurcht. Überall standen Alis Trophäen und an den Wänden Fotos von ihm mit all den wichtigen Menschen der Welt. Das Besondere daran war, dass sie alle neben Ali stehen wollten – nicht umgekehrt: Die Beatles, Elvis Presley, Martin Luther King, Nelson Mandela, Malcolm X und Michael Jackson.

Im Office hing auch ein Bild mit der Box-Lizenz, die man Cassius Clay (so sein bürgerlicher Name) einst entzog, weil er den Kriegsdienst verweigerte und nicht in den Vietnamkrieg ziehen wollte. Beeindruckend auch das Foto von Ali bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta, als er das Olympische Feuer entfachte.

Plötzlich sagte Lonnie: Der Champ kommt! Ich schaute aus dem Fenster und sah Muhammad auf dem Weg zum Office, wie er jeden Gärtner freundlich begrüßte, mit ihnen flachste. Dann kam er auf mich zu und hat mich umarmt. Trotz seiner schweren Krankheit – Parkinson im fortgeschrittenen Stadium – wusste er genau, worum es bei unserem Meeting geht. Muhammad setzte sich und führte erstmal einige kleine Zaubertricks vor und dann haben wir über das Business geredet.

Die folgenden Jahre ging es mir in erster Linie darum, Alis Vermächtnis in Europa weiterzuführen. So kam es zu seinem Auftritt 2004 bei der Bambi-Verleihung, wo er einen Millennium-Bambi erhielt. Außerdem besuchten wir das World Economic Forum in Davos, trafen bei den E/C11- Awards Persönlichkeiten wie Michael Douglas, den Bischof of Canterbury, Bill Clinton und viele andere. Dort habe ich erstmals gemerkt, was für ein Standing Ali hat, was für eine Power. Das hat mit dem Boxen und seinen Erfolgen nichts zu tun. Viel mehr mit dem Menschen Ali!

Muhammad Ali wollte eigentlich nie Boxer werden. Doch als man ihm in seiner Kindheit das Fahrrad klaute, lernte er es, um sich verteidigen zu können. Schnell hat er aber auch gemerkt, dass er mit Boxen eine Botschaft verbreiten kann. Im Grunde war Ali ja gegen Gewalt! Und hatte auch Humor. Er sagte, dass er der schönste Mann der Welt ist und sieht so gut aussieht, dass er beim Boxen niemals getroffen werden will. Er hatte nie einen Cut – bis auf einen gebrochenen Kiefer nach dem Kampf mit Norton.

Über die Jahre war Ali mehrmals privat bei mir zu Hause in München. Er hat seinen Geburtstag gefeiert bei uns in Grünwald. Er hat gemalt mit meinen Kindern. Meine Tochter Natalie hat Geige für ihn gespielt. Wir haben uns zusammen die DVD seines Foreman-Fights angeschaut. Er hat sich in meinem Bett ausgeruht.

Ich muss ehrlich sagen, dass jede Sekunde, die ich mit Muhammad verbringen durfte, etwas ganz Besonderes war. Ich werde ewig dankbar sein, dass ich 14 Jahre in seiner Nähe sein durfte. Auch in seiner schweren Krankheit hatte er die Würde bewahrt und ist ein Kämpfer geblieben, obwohl er schwer behindert war. Das nenne ich wahre Stärke. Ali wollte nie Mitleid. Er war aktiv bis zu seinem letzten Tag. Er war engagiert. Er hat mit seiner Frau die Entscheidungen noch mitgetroffen. Am Abend hat er Schach gespielt. Dabei musste er sehr starke Medikamente nehmen gegen Parkinson.

Die Nachricht seines Todes Anfang Juni hat mich schwer getroffen. Die Trauerfeier in seiner Heimatstadt Louisville, zu der ich von seiner Frau eingeladen wurde, war sehr emotionaler. Lonnie hat sich bei mir bedankt, was ich für sie und Muhammad getan habe. Die Feier war beeindruckend: Bill Clinton war da, Will Smith, der Ali als Schauspieler Ali verkörpert hatte, die Box-Champs Mike Tyson, Sugar Ray Leonard, Evander Holyfield, Lennox Lewis, Thomas Bach, der Präsident des IOC, David Beckham, Arnold Schwarzenegger, Comedian Billy Crystal, und Regisseur Spike Lee. Sie alle haben Ali die letzte Ehre erwiesen. Es war ein unglaubliches Gefühl. Da war keine Trauer, da war nur Liebe. Alle waren aus Liebe zu „The Greatest“ da. Rest In Peace, Muhammad Ali!