Sabina Sakoh – In Realitätsnähe

Text: Mamé Gamamy

Was wäre, wenn unser heutiges Leben durch eine vergangene Kunstepoche abgebildet würde? Die Künstlerin Sabina Sakoh, 1968 in München geboren und sich selbst als „Paintress“ bezeichnend, vermittelt uns einen Eindruck davon. Mit ihren großformatigen Ölbildern kreiert sie surreale Fantasie-Szenarien und Traumwelten, die das aktuelle Zeitgeschehen in früherem Kontext darstellen.

Inspiriert von der Kunst des Barock, in der religiöse und mythologische Szenen dramatisch mit kräftigen Körpern inszeniert wurden, zeichnet Sabina Sakoh Figuren als zeit genössische Interpretation ihrer historischen Abbilder. So ist auf dem Bild „February ‚14“ eine halbnackte Frau zu sehen, die in einer Muschel liegt und ihre rechte Hand nach etwas auszustrecken scheint. Das Ölgemälde erinnert an Rembrandts Danaë, einer Figur der griechischen Mythologie, die von ihrem Vater Akrisios in einen bronzenen Käfig gesperrt wurde, damit sie nicht der Sünde verfällt und kinderlos bleibt. Mit ausgestrecktem Arm erwartet sie die Rettung. In Sakohs Bild scheint es eine Anspielung auf die gesellschaftliche Stellung der Frau, die auch heute nochviel zu oft vom Patriarchat dominiert wird.

„Meine Kunst befasst sich mit dem immerwährenden Überlebenskampf. Die existenziellen Kämpfe von damals wiederholen sich in anderer Form auch heute. Es geht um die Frage, in welche Richtung sich alles bewegt – mit den Flüchtlingen, der IS, dem Terrorismus, den Konflikten, dem Universaldrama und Weltrecht auf der Erde. Es fallen Dinge vor, die wir bereits aus der Vergangenheit kennen, und aus denen wir hätten lernen sollen. Es sind desaströse Wiederholungen der Geschichte,“ so Sabina Sakoh.

Ihre Werke zeigen Fluten, die Menschen auf notdürftigen Flößen bezwingen, sie zeigen Szenarien, die eine Umkehrung ahnen lassen, da die Ausgesetzten weiß sind, Frauen, die Fackeln empor strecken, das Licht der Aufklärung, und Männer, die Totenköpfe in ihren Händen halten als Symbol der Vergänglichkeit. Dennoch sind die Kunstwerke alles andere als düster, sie strotzen vor intensiven Farben. Bilder, wie „July ‚13 // Volk & Freiheit“, das an das Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“ von Eugène Delacroix erinnert, ist positiv gestimmt. „Es gibt in all dem Chaos auch immer einen Funken Hoffnung und die Vision, dass wir immer wieder ins Licht gehen können.“

Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit – Sabina Sakoh bringt humanistische Themen auch in den aktuellen politischen Kontext der Bundesrepublik, ohne konkret für oder gegen etwas zu sein oder Handlungsanweisungen zu geben. „Mich inspiriert die französische Revolution. Von dem Zeitpunkt an, gingen wir in Europa einen demokratischen Weg. Zwar immer drei Schritte vor und zwei zurück, aber immerhin bewegt sich etwas.“

Dieser Drang der politischen Auseinandersetzung in der Malerei, wurde bei Sabina Sakoh schon früh geweckt. Ihr Großvater, Günther Strupp, Anhänger des Widerstands im 3. Reich und selbst Künstler, nahm sie schon als Kind mit in sein Atelier. „Bei ihm ging es immer um Auseinandersetzungen mit dem status quo – vor allem politisch im 3. Reich, was ihn zum KZ-Opfer machte und in der Nachkriegszeit. Existenzielle Kämpfe kommen in meiner Familie vor und es fließt auch in meinen Adern.“

Die in München lebende Künstlerin, die von dem bekannten Berliner Galeristen Michael Schultz vertreten wird, ist weltweit auf allen namhaften Kunstmessen präsent, zum Beispiel auf der New Yorker Armory Show und der Art Basel in Miami sowie auf Kunstmessen in Deutschland. Noch bis November diesen Jahres sind die wunderbaren Werke von Sabina Sakoh auf der Biennale in Venedig ausgestellt. Wenn das keine Reise wert ist . . .