Stefan Strumbel – What the fuck is Heimat

Nein, hier geht es nicht ums nackte Überleben, sondern um STEFAN STRUMBEL, einen Künstler, der mit seinen Werken etwas schaffen will, das überlebt. Etwas, das in unserer schnelllebigen Zeit Bestand hat. Etwas, vor dem wir stehenbleiben und nachdenken – Auch morgen noch…

Als Stefan Strumbel damals seinen Eltern zuliebe Sporttherapie studierte und in dieser Zeit bevorzugt die Hochschule bemalte, war allen klar: der wird mal Künstler. Auch wenn er das selbst nie vorhatte. Heute zählen Persönlichkeiten wie Karl Lagerfeld und Hubert Burda zu seinen Sammlern.

1979 ist der Künstler in Offenburg im Schwarzwald geboren. Sein Elternhaus war nie sonderlich kunstinteressiert, er erinnert sich nur an seinen Onkel, der damals gemalt hat. Ein entscheidendes Erlebnis hatte er 1986, als Hubert Burda zur Bambi-Verleihung eine Wand von Münchner Graffiti-Sprayern gestalten lies.

Auf seinem Heimweg sah er die Sprayer bei der Arbeit und war auf der Stelle infiziert. Diese damals noch neue Subkultur ließ Strumbel nicht mehr los. Als die Graffiti-Welle in den 90ern auch Offenburg erreichte, war Strumbel voller Schaffensdrang. Die Zugänglichkeit dieser Art von Kunst begeistert ihn. Jeder konnte diese Werke an den Wänden betrachten – egal, welcher Gesellschaftsschicht er angehört. Das ging dann circa sechs Jahre gut, bis Strumbel beim Sprayen erwischt wurde und eine ordentliche Geldstrafe kassierte.

Weil er die Anwaltskosten seines Vergehens irgendwie berappen musste, begann Strumbel mit der Auftragskunst. Das war die Wende in seinem Leben und der Beginn sein künstlerisches Schaffen auf legalem Wege fortzusetzen.

Sein Bekanntheitsgrad stieg bis zu seinem Durchbruch, den er mit dem Thema „Heimat“ erlebte. Strumbel beschäftigt sich darin mit konventionellen Traditionen und Wertvorstellungen, die der Künstler durch Umgestaltung in einen anderen Kontext setzt. Die erste Ausstellung 2006 „Deine Heimat“ im Offenburger Kunstverein war sofort restlos ausverkauft. Die Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf.

Strumbel selbst beschreibt Heimat als ein Gefühl der Geborgenheit, der Liebe und des Glückes. Man kann es mit keinem Geld der Welt kaufen. Es ist wie eine Droge, vergleichbar mit der ersten Mutterliebe direkt nach der Geburt. Nach dieser Liebe strebt man sein ganzes Leben.

Seine Heimat Offenburg ist für den Künstler der perfekte Ort, um seine Ideen umzusetzen. Hier nimmt er sich Zeit für Familie und Freunde, besucht Ausstellungen und genießt das kulinarische Angebot des Schwarzwaldes.

Seine Inspiration holt sich der Künstler in der Natur, auf Reisen und von den Menschen um ihn herum. „Beruflich bin ich viel unterwegs. Ich bringe sozusagen den Wald auf die Straße und die Straße in den Wald“, so der Künstler. Aber nicht nur das Heimat-Thema, sondern auch das Sakrale verarbeitet Strumbel in seinen Werken. Es interessiert ihn eigentlich schon immer, doch den richtigen Auslöser gab es im Jahr 2011, als er die Kirche in Goldscheuer neu gestaltete. Dabei ist es nicht der Glaube, der in ihm diese Faszination auslöst, vielmehr sind es die gewaltigen Kirchenschiffe und die Symbolik, die Strumbel begeistern. Wenn der Künstler in Köln unterwegs ist, besucht er zuallererst den Kölner Dom. „Die Macht dieser Kirchenschiffe ist einfach gigantisch“, schwärmt Strumbel.

Seit er die Kirche in Goldscheuer mit seiner künstlerischen Neugestaltung vor der Schließung rettete, bekommt er Anfragen von Gotteshäusern aus aller Welt. Doch für Strumbel soll diese Kirche ein Unikat bleiben. Lediglich noch einzigartiger soll sie werden. Strumbel verrät uns, dass er die Kirche in Goldscheuer demnächst noch von außen gestalten wird.

Momentan fokussiert er sein Schaffen nicht mehr ausschließlich auf das Heimat-Thema. „Damals war Heimat noch nicht so omnipräsent, wie es heute der Fall ist. Jeder Metzger spricht mittlerweile von Heimat. Doch gerade beim aktuellen Flüchtlingsthema bekommt Heimat einen ganz anderen Beigeschmack“, so Strumbel. Der Künstler setzt vielmehr auf eine universelle Bildsprache, er will wachrütteln und zum Nachdenken anregen. Für Strumbel hat sich der Heimat-Gedanke längst von der Region losgelöst.

Aktuell arbeitet der Künstler an Skulpturen aus Cortenstahl im öffentlichen Raum. Strumbel macht seine Kunst wieder zugänglicher. Ganz egal, wann und ganz egal, wer kommt – jeder kann seine Werke betrachten, davor verweilen, darüber nachdenken oder was auch immer man möchte.

Und das nicht nur heute, sondern auch morgen noch. Denn diese Art von Kunst hat Bestand. Sie überlebt. Und man wird hoffentlich noch sehr sehr lange über sie sprechen.