Träum schön

Text: Mamé Gamamy

Erinnerst du dich, was du letzte Nacht geträumt hast? Sind merkwürdige, abenteuerliche Dinge geschehen? Bist du etwa wilden, haarigen Monstern begegnet, konntest du plötzlich einfach ohne jegliche Hilfsmittel fliegen oder hattest du ein romantisches CandleLight-Dinner mit George Clooney? Im nächtlichen Kopfkino scheint das Unmögliche möglich und die Logik unweigerlich in den Hintergrund zu treten. Dabei begegnen uns die lebhaften Bilder ganz ohne äußere Reize. Doch warum produziert das Gehirn jede Nacht die vielen bunten Filme? Und wer schreibt eigentlich das Drehbuch?

California Dreamin’
Dank Aufzeichnungen aus der zeit um 4000 vor Christus, wissen wir, dass die Menschheit schon seit jeher darüber nachdachte, was es mit dem Träumen auf sich hat. Träume und deren Deutung waren wichtig für die Zukunft und das Schicksal der Menschen. Man nahm an, sie seien ein Medium zwischen der irdischen und der göttlichen Welt. Dabei unterlagen Träume immer schon unterschiedlichen Interpretationen und beschäftigen Psychologen, Philosophen und Neurobiologen seit Generationen.
In der Traumforschung geht man seit den 1950er Jahren von unterschiedlichen Schlafphasen aus – dabei ist vor allem der REM-Schlaf interessant. REM ist die Abkürzung für “Rapid Eye Movements”, also den schnellen Augenbewegungen während des Schlafs. Der REM-Schlaf wurde lange als einzige Traumzeit betrachtet, was heute aber widerlegt ist. Mit größter Sicherheit weiß man heute, dass die Erinnerung an die REM-Träume am stärksten ist, vorausgesetzt der Träumende kann sich überhaupt daran erinnern. Doch über die Ursache und die Funktion des Träumens gibt es leider bisher noch keine einschlägigen Ergebnisse.
What a day for a daydream
Zeitsprünge, Superhelden-Fähigkeiten, seltsame Begegnungen – die nächtlichen Bilder sind meist wirr und machen vordergründig wenig Sinn. Was sie uns mitteilen wollen, erschließt sich uns deshalb eher selten. Jeder Traum scheint ein individuelles Alternativszenario unseres gelebten Alltags zu sein. Doch so individuell Träume auch sind, es gibt auch typische Träume, die fast jeder schon einmal hatte. Das Verfolgtwerden, der freie Fall, sexuelle Erlebnisse – das alles hat mit einem universellen Thema zu tun, dem elementare Gefühle zugrunde liegen, wie Ärger, Angst und Lust. Deshalb hilft es auch manchmal über etwas zu schlafen, da man die Fakten ohne Emotion betrachten kann. Untersuchungen zeigen zudem: Wer seine Träume bewusst wahrnimmt, kommt oft leichter über schwierige Situationen hinweg.
Dreams are my reality
Bei der Frage ob Träume Vorahnungen, Wünsche oder einfach nur eine zufällige Hirnaktivität sind, scheiden sich die Geister. Mit der Interpretation des Phänomens Traum haben sich bereits viele Forscher beschäftigt. So gab es im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Theorien, die versuchten dem Geheimnis des Träumens auf den Grund zu gehen.
Die einen sind der Meinung, dass der Verstand ohne Träume gar nicht richtig funktionieren kann und Träume aus physiologischer Hinsicht für die Gehirnentwicklung und -reifung wichtig sind. Andere halten Träume für psychische Prozesse ohne Funktion oder Bedeutung. Wieder andere vermuteten, dass sich in den Träumen die unterbewussten Wünsche oder Triebe äußern. Welche Theorie die Wahrheit beinhaltet, ist nicht klar. Wir wissen aber inzwischen, dass es keine traumlosen Schlafphasen gibt. Wir träumen jeden Tag.
Ende des 19. Jahrhunderts vertrat der bekannte Psychoanalytiker Sigmund Freud in seinem Buch “Die Traumdeutung“ die Theorie, dass der Traum schlichtweg Expression verdrängter Sehnsüchte sei. Im Gegensatz zu Freud stellt sein Schüler Carl Gustav Jung bei der Traumforschung das individuelle Erleben jedes Menschen in den Mittelpunkt. Seiner Meinung nach treten wir im Traum in den Dialog mit dem unbewussten Ich. Der amerikanische Psychiater Allen Hobson vertrat hingegen in den 1960er Jahren die Theorie, dass Träume rein gar nichts zu bedeuten haben. Für ihn waren sie nur elektrische Impulse im Gehirn, die zufällige Gedanken und Bilder aus unseren Erinnerungen ziehen. Eine andere Theorie besagt, dass Träumen ein biologischer Abwehrmechanismus ist. Laut dieser Annahme simuliert unser Gehirn im Traum bedrohliche Ereignisse und verbessert so neuro-kognitive Mechanismen, damit wir Bedrohungen in der Realität erkennen und vermeiden können.
Alle diese Theorien sind mögliche und zulässige Erkenntnisse in Bezug auf den Zweck des Träumens. Generell scheinen uns Träume zu helfen, unsere Emotionen zu verarbeiten. Das, was wir in unseren Träumen sehen und erleben, ist nicht unbedingt wahr, aber die Emotionen dieser Erfahrungen sind es. Der Traum ist eine Art Brücke, die unsere Erfahrungen mit unseren Emotionen und Erinnerungen verbindet. Träume bringen uns Nacht für Nacht in eine andere Welt, sie lassen uns eine andere Seite von uns erkennen, erschrecken oder erfreuen uns. Und so scheinen sie eine ziemlich große Rolle in unserem Seelenleben zu spielen und sind keinesfalls sinnlos.

dream a little dream of me
Traum-Fakten
“Traum“ kommt aus dem “Altgermanischen und steht für trügen” im Sinne von “irreführen, täuschen”

52.560 Stunden, 2.190 Tage oder 6 Jahre unseres Lebens verbringen im Traum.
Jeder Mensch träumt jede Nacht, und zwar permanent und nicht nur ab und zu.
Wir träumen in Echtzeit, und das über Minuten oder sogar Stunden.
In sogenannten Klarträumen oder luziden Träumen sind wir uns unserer Präsenz im Traum sicher und können die Handlung steuern, auch wenn wir gerade schlafen.
Wer schnarcht, kann nicht gleichzeitig träumen.
An Träume erinnern: Beim Aufwachen sollten wir uns Träume gleich ins Gedächtnis rufen, aufschreiben oder jemandem erzählen.