BURNING MAN

BURNING MAN

MAD MAX TRIFFT WOODSTOCK IN DER WÜSTE!

Text: Sven.txt
Fotos: Leopold Fiala

Liebe, Kunst, Musik und
eine Welt ohne Konventionen – Ein Report vom legendären
“Burning-Man” – Festival in der Wüste von Nevada.

Black Rock Desert im nordwestlichen Teil Nevadas gilt in aller Regel als trostloser Ort. Sandstürme schubsen einsame Steppenläufer über die 30.000 km² große Salzwüste, während in Gedanken die Mundharmonika das berühmt-berüchtigte “Lied vom Tod“ spielt. Nicht unbedingt eine Gegend, die zum Verweilen einlädt. Doch jedes Jahr gegen Ende August sieht es hier ganz anders aus. Für acht Tage verwandelt sich ein Teil der leblosen Wüste zum Schauplatz des “Burning Man“-Festivals – dem sagenumwobenen  Musik-, Lifestyle-, Esoterik-, Kunst-, und Selbstdarstellungs-Festival. Es zählt mittlerweile zu einem der legendärsten und einflussreichsten Kulturereignisse der Welt. Der Fotograf Leopold Fiala war 2013 vor Ort. Er hatte die seltene Gelegenheit, die überwältigende Atmosphäre in Nevada einzufangen: Welcome to “Burning Man“.

Was 1986 mit 20 Freunden und der Verbrennung einer Holzfigur am Strand von San Francisco begann, hat sich mittlerweile zu einem Spektakel mit mehr als 70.000 Teilnehmern aus aller Welt entwickelt. Um die enorme Menschenmenge zu beherbergen, wird im Herzen der Wüste eine kreisförmige Stadt errichtet, Black Rock City. In selbst organisierten Campern, Wohnwagen oder Zelten wohnen die “Burner“, wie die Festivalgänger genannt werden. Eine Woche lang geben sie sich einem zwanglosen Ausnahmezustand hin, an einem Ort, an dem scheinbar keine Regeln herrschen. Zumindest keine Konventionen, wie man sie aus dem Alltag kennt. Vielmehr beruft man sich hier auf 10 Prinzipien, mit denen sich die große Menge an radikalen Individualisten selbst organisiert: Radikale Offenheit. Radikaler Selbstausdruck. Gemeinschaftliche Anstrengungen. Verantwortungsbewusstsein. Keine Spuren hinterlassen, um nur ein paar zu nennen.

Dieser Eindruck ist bei Leopold Fiala hängen geblieben. Geld spielt in dieser Gesellschaft keine Rolle. Es gibt nichts zu kaufen. Kein Bratwurststand, kein Wal-Mart und keine Souvenirbude, wie man sie sonst von Festivals kennt. Auf dem Gelände gibt es kein Wasser, keinen Handy-Empfang, keinen Strom und keine Kanalisation, so dass die gesamte Versorgungsinfrastruktur von den Besuchern organisiert werden muss. Damit niemand ausschließlich von Luft und Liebe leben muss, versorgen sich alle Teilnehmer zu 100 % selbst. Sie bringen Getränke und Essen für sich und andere Bewohner im Camp mit.

Im Mittelpunkt des Festivals steht die fantastische Kunst, die an fast jeder Ecke präsent ist. Riesige Skulpturen, überraschende Installationen und imposante Artcars geben der öden Wüstenlandschaft zum Teil eine düstere, postapokalyptische Atmosphäre, die an die “Mad Max“-Filme erinnert. Dazu noch tausende von Freaks, die sich mit einer detailverliebten Präzision hingebungsvoll kostümieren. Oder eben auch nur ihrer natürlichen Leidenschaft nachgehen. Alles was die Vorstellungskraft oder die Fantasie zulässt, scheint hier in die Realität umgesetzt zu werden. Das Wichtigste ist für die Organisatoren ein harmonisches Miteinander. All you need is Love!

Fotograf Leopold berichtet, dass das “Burning Man“-Festival nicht einfach nur besucht wird, es wird von seinen Teilnehmern richtiggehend gelebt und zelebriert. In Black Rock City sind Kapitalismus, Prüderie, Neid und Verbote verpönt. Hier ist jeder gleich und man sorgt für seinen Nächsten wie für sich selbst. Die gemeinsamen Nenner auf die sich alles stützt sind Kunst, Musik und Liebe. Doch am Endes steckt auch hinter dieser freizügigen Fantasie eine ausgefeilte Bürokratie: ein Genehmigungssystem für Camps, eine Personenmeldestelle, ein Notdienst und sogenannte Black Rock Rangers, die für Sicherheit sorgen. Ist damit ein friedliches Nebeneinander, das alleine auf 10 Prinzipien beruht, am Ende doch nur eine Utopie? Zumindest funktioniert es für acht Tage. Danach heißt es für die meisten der 70.000 “Burning Man“-Freaks wieder: back to Business! Und die Wüste gehört wieder den rollenden Steppenläufern.

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