JOACHIM SCHMEISSER

JOACHIM SCHMEISSER

IM REICH DER ELEFANTEN

Text: Alex Gernandt

Beeindruckende Porträts von Elefanten in freier Wildbahn und in der Aufzuchtstation des David Sheldrick Wildlife Trust bei Nairobi in Kenia zeigt der deutsche Fotograf JOACHIM SCHMEISSER in seinem Bildband “Elephants in Heaven“. In der Münchener Galerie Immagis trafen wir ihn zum Gespräch.

Mit „Heaven“ meint Schmeisser den sicheren Ort der Station, wo Elefanten nachts sicher in Stallungen schlafen können, wenn sie tagsüber in der Natur herumgestreift sind. Elefanten sind einzigartige Tiere. Sie besitzen hohe Intelligenz, ausgeprägtes Sozialverhalten und ein ex-
trem gutes Gedächtnis. Sie werden oft als “Dickhäuter“ bezeichnet, wodurch sich der Trugschluss ergibt, ihnen könnte niemand etwas anhaben. Doch weit gefehlt: Elefanten werden seit jeher gejagt und aufgrund ihres Elfenbeins getötet. Die Folgen der Elefantenwilderei sind verheerend. Der Bestand der Elefanten (und die weltweite Nachfrage nach Elfenbein) ist alarmierend: Gab es 1979 noch 1,3 Millionen Elefanten in Afrika, sind es jetzt unter 400.000! Die getöteten Elefanten hinterlassen Jungtiere, die traumatisiert und verängstigt als Waisen weiterleben müssen. Joachim Schmeisser erzählt ihre Geschichte.

Durch eine eigene Elefantenpatenschaft kam er in Kontakt mit dem David Sheldrick Wildlife Trust, der weltweit größten und erfolgreichsten Rettungs- und Auswilderungsstation für Elefantenwaisen, die in Nairobi beheimatet ist. Seine einfühlsamen Tierporträts sollen auch die dramatischen Konsequenzen von Wilderei vermitteln, denn Schmeisser geht es nicht nur um Schönheit und Vergänglichkeit, sondern auch um Würde und den gleichberechtigten Platz eines jeden Individuums. Zahlreiche Fotoreportagen führten ihn nach Afrika, wo der frühere Werbefotograf seine Leidenschaft für diesen Kontinent entdeckte. Seine Motivation ist es, einen Blick hinter die Fassade zu werfen und das Unsichtbare an die Oberfläche zu bringen. Für seine Porträtserie „Orphan Elephants“ erhielt er 2012 den renommierten Hasselblad Master Award. Jetzt ist sein Bildband “Elephants in Heaven“ bei teNeues Media erschienen. Hier erzählt Joachim Schmeisser von seinem Werdegang als Fotograf, seinen Trips nach Afrika, seiner Faszination für Elefanten und dem Elefantenwaisen Kibo…

“Elefanten zu fotografieren ist für mich eine Herzensangelegenheit, eine echte Leidenschaft geworden. Für die Fotografie habe ich mich schon von kleinauf sehr interessiert. Meine allererste Kamera bekam ich von meinem Vater geschenkt, eine einfache “Klick-Klack“, bei der man nur Sonne, Mond und Sterne einstellen konnte. Ich habe früh gelernt, meine Filme selbst zu entwickeln, viel probiert und experimentiert. Erste Motive waren meine Familie, unser Garten und Freunde. Auch Tiere haben mich immer fasziniert, schließlich bin ich im Sternzeichen Löwe geboren. Besonders Elefanten haben mich mit ihrer majestätischen Ausstrahlung berührt. Im Fernsehen habe ich damals keine Sendung der Tierfilmer Heinz Sielmann oder Prof. Grzimek (“Serengeti darf nicht sterben“) verpasst. Ich denke, mein Berufsweg war früh vorgezeichnet. Nach der Schule ich ein Praktikum in Stuttgart gemacht und bei verschiedenen Fotografen im Still-Life-Bereich assistiert. Ich war in einem Großraumstudio in Stuttgart beschäftigt, in dem die besten Fotografen gearbeitet haben. Das war sehr lehrreich und interessant. Als Fotograf bekam ich später Aufträge für große internationale Marken. Gearbeitet wurde ausschließlich mit mit Groß- und Mittelformat-Kameras. Nach über 25 Jahren widmete ich meine Aufmerksamkeit mehr und mehr freien Arbeiten. Dabei lasse ich mich aber nicht gerne in eine bestimmte Nische drängen. Ich sehe mich jetzt auch nicht als Wildlife-Fotograf.  Ich interessiere mich einfach für viele verschiedene Dinge, wobei mir die Portraits der Waisenelefanten am Herzen liegen.

ELEFANTEN SIND ABSOLUT FASZINIEREND!

2009 bin ich erstmals zum Fotografieren nach Afrika gereist und habe als Fotograf internationale Ärzte im Rahmen einer Dokumentation nach Ghana begleitet. 

Danach habe ich eine Reise mit meiner Familie geplant zu den letzten Buschmännern in Tanzania, Afrika. Das sind hochfaszinierende Menschen, die wie in der Steinzeit leben, aber ihr Lebensraum schwindet dramatisch, es gibt nur 250 Überlebende. Danach ging es weiter zu den Berggorillas in Ruanda. Meine Frau hatte unserem Sohn zum Geburtstag eine Patenschaft für einen Elefantenwaisen namens Kiba geschenkt, der im David Sheldrick Wildlife Trust bei Nairobi lebte. Beim Besuch in Kenia wurde uns dann die Problematik um das Aussterben der Elefanten richtig bewusst, obwohl wir zuvor natürlich davon gelesen hatten. 35.000 Elefanten werden jährlich getötet, also einer alle 15 Minuten! Unvorstellbar. In Nairobi haben wir dann unseren Kibo im Waisenhaus des Shedrick Wildlife Trusts besucht. Er war damals ein Jahr alt. 

Im Wildlife Trust kümmern sich professionelle Tierpfleger mit der Flasche um die Aufzucht der Elefantenbabies, bis sie alt genug sind, sich selbst zu ernähren. Nach einiger Zeit werden die Jungen in die Auswilderungsstation des Trusts gebracht, bevor man sie in die Freiheit entlässt. Irgendwann bestimmen die Tiere selbst, wann sie sich einer Herde anschliessen und in die Wildnis ausziehen. Ziel ist es, die Elefanten in ihren natürlichen Kreislauf zu integrieren und mit anderen ausgewilderten Tieren leben zu lassen, sodass sie Nachwuchs zeugen und alt werden können. Ohne den Trust hätten die Elefantenwaisen keinerlei Überlebenschance. All diese Schritte habe ich begleitet und die Aufzucht der Elefantenwaisen bis hin zur Auswilderung in Bildern festgehalten.

Als ich beim Sheldrick Trust anfragte, ob ich Kibo fotografieren dürfe, war man anfangs erst etwas restriktiv, zumal sie unzählige Anfragen bekommen.

Letztendlich bekam ich dann doch die Erlaubnis und wir verbrachten eine Stunde im Busch mit dem kleinen Kibo und den anderen jungen Elefanten, der jüngste war gerade mal vier Wochen alt. Es war ein einmaliges Erlebnis, auf einmal von bis zu 20 Elefanten umringt zu sein, die alle ganz neugierig waren und uns mit ihren Rüsseln beschnupperten und erforschten. Das war für mich eine lebensverändernde Erfahrung! Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man es nicht erlebt hat. Wir haben uns dort in diese wunderbaren Tiere verliebt.

Von Natur aus ist der Elefant nicht böse. Viele sind aber extrem verhaltensgestört, richtiggehend traumatisiert durch Begegnungen mit Wilderern. Und das ist ein Problem. Die Elefanten, mit denen wir zu tun haben, sind mehr oder weniger an Menschen gewöhnt. Man muss trotzdem immer aufpassen und vorsichtig sein, denn die ganz kleinen wiegen bereits 500 Kilo und sind ständig in Bewegung, die großen wiegen 4000 Kilo und mehr! Und wenn ich etwa bei Elefantenbabys zum fotografieren in eine tiefere Aufnahmeposition gehe, nehmen die das als Spielaufforderung wahr – und das kann mitunter lebensgefährlich sein. Elefantenkühe sind in wilden Herden extrem protektiv, was ihre Jungen angeht. In jeder Herde gibt es einen Anführer, eine Leitkuh, und auch eine ganz klare Rangordnung. Man muss vorsichtig sein, aber wenn man sich richtig verhält, passiert einem nichts.

RIZE-Chefredakteur Alex Gernandt mit Joachim Schmeisser

DIE ELEFANTEN-POPULATION IST IN GEFAHR!

Es ist ein absoluter Irrsinn, dass Touristen und vermeintliche Hobbyjäger bis zu 50.000 Dollar zahlen, damit sie dann vor Ort einen Elefanten erschiessen können, um mit der Beute zu posieren. Der Gipfel der Perversion ist, dass es dann heisst, diese 50.000 Dollar kämen ja dann wieder dem Tierschutz zu gute! Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, wie man solch majestätische Tiere töten kann, ohne jeden Grund.

Hoffentlich lässt sich dieser Wahnsinn irgendwann eindämmen, dass sich die Elefanten-Population wieder erholt. Denn sollte es so weitergehen wie bisher, gibt es in zehn Jahren keine Elefanten mehr. Doch glücklicherweise setzen sich immer mehr Prominente wie Arnold Schwarzenegger, Liz Hurley, Edward Norton, Kristin Davis, Beatle Ringo Starr oder Slash von Guns N’ Roses aktiv für den Schutz von Elefanten ein. Das ist ein gutes und wichtiges Zeichen. Und auch mir liegt am Herzen, die Menschen mit meinen Fotos für die Situation der Elefanten zu sensibilisieren. Man muss alles tun, um diese wunderbaren Wesen zu schützen!“

TeNeues: Elephants in Heaven – Joachim Schmeisser

Portrait: Joachim Schmeisser

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