Louvre Abu Dhabi

Louvre Abu Dhabi

TRAUM AUS 1001 NACHT

Fotos: Luc Castel & Louvre Abu Dhabi
Text: Sabine Hofmann

Die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate glänzt seit November 2017 mit einem neuen architektonischen Meisterwerk: dem Louvre Abu Dhabi! Wer jetzt an das berühmte französische Nationalmuseum in Paris denkt, liegt leider falsch. Denn Abu Dhabi hat nun seinen ganz eigenen Louvre, oder, wie ihn das Emirat stolz beschreibt: „das erste Universalmuseum der arabischen Welt“.

Die moderne Millionenmetropole Abu Dhabi war vor knapp fünfzig Jahren noch eine kleine Inselstadt. Die Bauten waren mickrig, es gab zum Teil noch keine Elektrizität, keine Kanalisation und auch Autos waren so gut wie nicht vorhanden. Mit der damaligen Erdöl-Förderung ging es dann aber plötzlich in rasender Geschwindigkeit voran. 

Von da an wuchs die Einwohnerzahl so stark an, dass schon bald auf künstliche Inseln und das Küstenland ausgewichen werden musste. Neben der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung treibt das Emirat auch den kulturellen Aspekt immer weiter voran. Aktuell sind es knapp über eine Million Menschen, die in Abu Dhabi leben, viele davon auf künstlich angelegten Inseln.

6.000 QUADRATMETER - 1,5 MILLIARDEN EURO GESAMTKOSTEN

Saadiyat Island ist eine dieser Inseln. Die sogenannte „Insel des Glücks“ ist als Kulturinsel von Abu Dhabi bekannt. Hier soll ein kulturelles Gesamtprojekt entstehen. Der Louvre Abu Dhabi ist das erste Bauwerk diese Projektes. Bisher sind alle anderen Vorhaben ins Stocken geraten, zum Beispiel das New Yorker Guggenheim-Museum oder das Scheich-Zayed-Nationalmuseum. Mit dem Louvre Abu Dhabi ist jetzt aber ein beeindruckender Grundstein für weitere kulturelle Einrichtungen gelegt.

Der Pariser Star-Architekt Jean Nouvel erhielt vor einigen Jahren den Großauftrag, ein Museum für Abu Dhabi zu entwerfen, das moderne Architektur mit typisch arabischem Baustil verbindet. Daraufhin entwarf der Visionär einen Gebäudekomplex aus 55 unterschiedlichen Quaderbauten, der an eine Medina, der traditionellen Altstadt der islamischen Welt, erinnert. Architekt Nouvel sieht diese kubischen Bauteile als Treffpunkte für Menschen, die das Interesse an Kunst und Kultur verbindet. 

Das Highlight: eine riesige, flache Kuppel mit einem Durchmesser von 180 Metern, die den Louvre Abu Dhabi optisch zusammenhält. Von überall aus gibt es Öffnungen zum Meer, hindurch weht eine angenehme Brise, die den Aufenthalt im Louvre temperaturtechnisch äußerst angenehm gestaltet. Die Quaderbauten im Inneren sind klimatisiert, die kühle Luft weht einem jedoch so subtil um die Ohren, dass man es eigentlich gar nicht bemerkt.

Verschiedene Schichten aus Aluminiumstreben liegen in Form von Drei-, Vier- oder Achtecken so übereinander, dass daraus eine netzartige Struktur entsteht, die durch 7850 unterschiedlich große Öffnungen Tageslicht durchscheinen lässt. Die Lichtstimmung im Louvre Abu Dhabi ist spektakulär. Die sogenannten Sterne leuchten nicht nur tagsüber, auch nachts strahlen sie mit Hilfe von künstlichem Licht nach innen und außen. Jean Nouvel äußerte sich bei der Eröffnung, dass er Architektur im Kontext schaffe, die sich auf den spezifischen Standort bezieht. „In Paris oder Berlin hätte dieses Bauwerk nicht entstehen können“, so der Architekt.

Für die 30 jährige Nutzung des Namens „Louvre“ zahlt das Emirat 400 Millionen Euro

Unter dem gigantischen Flachdach präsentieren sich 300 hochrangige Kunstwerke als Leihgaben aus dreizehn staatlichen Museen Frankreichs. Werke sämtlicher Kulturen werden in zwölf Galerien gezeigt. Als absolutes Highlight der Leihgaben gilt das aus 1489 stammende Werk „La belle Ferroniére“ geschaffen vom einzigartigen Leonardo da Vinci (oder eventuell auch von seiner Werkstatt).

Das Museum soll Besucher einladen, die „Menschheit in einem neuen Licht zu sehen“, so die Eigenwerbung. Für Abu Dhabi ist die Eröffnung des Louvre sicherlich ein großer Schritt. Denn die Stadt möchte sich vom Lifestyle-Tourismus Dubais abheben und sich mehr in eine kulturelle Richtung weiterentwickeln, was mit dem Louvre Abu Dhabi mit Sicherheit gelungen ist.