MICHAEL BUBLÉ

MICHAEL BUBLÉ

MICHAEL BUBLÉ

All you need is love!

Interview: Alex Gernandt

Fotos: WMG & Evaan Kheraj 

Er ist der größte neue Jazz- und Swing-Sänger der Gegenwart. Über 50 Millionen Alben hat MICHAEL BUBLÉ in nur 15 Jahren Karriere verkauft. Sein neuestes und persönlichstes Werk trägt den Titel “Love“. Darauf singt der 43jährige Kanadier eigenene Lieder und Klassiker des Great American Songbook von Jazz-Greats wie Nat King Cole, Louis Armstrong, Frank Sinatra und Tony Bennett sowie Elvis Presley und Kris Kristofferson. 

Bublé wurde am 9. September 1975 in Burnaby, British Columbia, Kanada geboren. Sein Vater war Lachsfischer, die Vorfahren kroatischer und italienischer Herkunft. Durch seinen Großvater kam Bublé bereits in jungen Jahren zu Swing und Jazz. In seiner Jugend spielte er aktiv Eishockey, nach der Schule jobbte er als Journalist, Kellner und Hochzeitssänger, bis er 2003 sein erstes Album “Michael Bublé“ veröffentlichte, mit dem er sofort Platinstatus erreichte. Star-Produzent David Foster (Whitney Houston, Celine Dion, Bryan Adams), ebenfalls aus British Columbia stammend, gilt als sein Entdecker und Förderer. Im November diesen Jahres erhielt Bublé einen Stern auf dem „Walk of Fame“ in Hollywood. Er ist in zweiter Ehe mit dem argentinischen Model Luisana Lopilato verheiratet und Vater dreier Kinder.
Im Corinthia Hotel in London trafen wir den smarten Sänger zum Interview

RIZE: Mr Bublé, vor 15 Jahren starteten Sie Ihre Karriere, wurden mit über 50 Millionen verkauften Alben zum größten Crooner der Gegenwart. Doch vor zwei Jahren traf Sie ein schwerer Schicksalsschlag…

Michael Bublé: Die Leberkrebsdiagnose meines kleinen Sohnes Noah war das Schlimmste, was passieren konnte. 

Sie sollen kurz davor gewesen sein, Ihre Karriere zu beenden.

Ja. Mein Hauptfokus lag aber immer schon auf meiner Familie, nicht etwa auf meiner Karriere. Die Liebe zur Musik ist immer da, sie ist ein ganz wichtiger Bestandteil meines Lebens. Nach der Diagnose wurde mir allerdings bewusst, dass ich die Musik zur Seite legen musste, um mich vollständig auf meinen erkrankten Sohn, meinen anderen Sohn, meine neugeborene Tochter und meine Frau zu konzentrieren. Das war alles andere als eine einfache Zeit, auch weil ich eine Person öffentlichen Interesses bin. Es erschienen ständig Presseartikel über mein, unser Schicksal, und es war, als wenn jedes Mal wieder Wunden aufgerissen würden. Aus diesem Grund dachte ich, sei es vielleicht besser, wenn ich die Musik aufgebe und nur noch Privatmensch bin. 

Wie geht es Ihrem Sohn heute?

Wenn es für Sie in Ordung ist, möchte ich darüber lieber nicht sprechen. Ich verstehe das Interesse an unserer Situation und an dem, was wir durchgemacht haben. Aber es ist schmerzhaft, darüber zu reden. Und es nicht die Story, die ich zu erzählen habe. Es ist die Story meines Sohnes. Er soll eines Tages entscheiden, ob er davon erzählen will oder nicht. Ich kann nur sagen, dass diese ganze Erfahrung, unser Schicksal, meinen Blick aufs Leben komplett verändert hat. Mein neues Album hat auch deshalb eine besondere Bedeutung für mich. Ich nannte es “Love“, weil Liebe nunmal das Wichtigste ist im Leben.

Ihr Entdecker, der Star-Produzent David Foster hat wohl eine wichtige Rolle dabei gespielt, dass Sie das neue Album “Love“ gemacht haben.

Hat er. Ich kenne ihn bereits seit 20 Jahren, er ist Freund und Vertrauter von Anfang an. Auf der Platte singe ich eigene Lieder, aber auch Stücke von Nat King Cole, Edith Piaf, Louis Armstrong, Kris Kristofferson, Frank Sinatra und Tony Bennett. Zehn Jahre lang bin ich früher in Nightclubs in Kanada und den USA aufgetreten, habe in Musicals am Broadway gespielt, Geburtstagstelegramme eingesungen und war Sänger auf Hochzeiten, alles, was man sich vorstellen kann, aber ohne nennenswerten Erfolg. 

Ihr allererstes Album erschien bei einem kleinen Independent-Label…

Auf der Platte “BaBalu“, benannt nach dem Club in Vancouver, in dem ich früher auftrat, sang ich Jazz- und Swing und war megastolz darauf. Es wurden 10.000 Exemplare verkauft und dachte, das sei Wahnsinn! Damals war ich ich noch keine 20. Erst als ich 26 war, bekam ich  einen großen Plattenvertrag und meine Karriere ging richtig los – dank David Foster.

Wie haben Sie ihn damals kennengelernt?

Ich lebte damals in Toronto und sang im Wintergarden Theater in einer Show namens “Swing“. Aber jede Künstleragentur, jede namhafte Plattenfirma lehnte mich damals ab. Alle sagten dasselbe: “Sie sind sehr talentiert, junger Mann, aber wir sehen nicht, wie wir mit Ihnen und Ihrer Musik einen finanziellen Erfolg erzielen könnten“. Ich war damals kaum im Stande, meine Miete zahlen und war auf finanzielle Unterstützung meiner Freundin abgewiesen. Ich sah mich also schon zurück an die Universität gehen. Mein Plan B war, Journalist zu werden. Viele meiner Freunde waren Printjournalisten,  kreatives Schreiben machte mir Spaß. Plötzlich flatterte ein lukratives Showangebot rein: Ich sollte bei einer Autopremiere singen, Honda oder Toyota, weiß nicht mehr. Auf jeden Fall gab’s eine Menge Kohle, das war meine Rettung. 

Und wann kam nun Foster ins Spiel?

Nach meinem Auftritt sprach mich ein Typ namens Michael McSweeney an, dem meine Performance gefallen hatte. Wie sich rausstellte, war er Berater des damaligen Premierministers Brian Mulroney. Ich gab ihm meine Debüt-CD und sagte: “Wenn sie ihnen nicht gefällt, benutzen sie sie einfach als Untersetzer für ihr Whiskyglas“ (lacht). Am nächsten Tag rief mich Sweeney an und lud mich ein, auf der Hochzeitsfeier von Mulroneys Tochter Caroline in Montreal zu singen. Auch ihre Mutter Mila war begeistert von meiner Stimme – aber ich hatte überhaupt keinen Bock mehr, auf Hochzeiten aufzutreten, die hingen mir zum Hals raus. Auch nicht, bei allem Respekt, wenn es sich hier um den Premierminister meines Landes handelte. Doch dann sagte Miss Mulroney die magischen Worte: “David Foster wird unter den Gästen sein“. Da wusste ich, ich muss da singen. Was ich erst später erfuhr: das Ehepaar Mulroney hatte schon Jahre zuvor David Foster mal ein Nachwuchstalent vorgestellt – Celine Dion, die er zum Weltstar machte.

Die Rechnung ging also auch für Sie auf.

Nicht so schnell! Ich sang bei der Hochzeitsparty “Mack the Knife“, da sah ich links von der Bühne, wie Brian Mulroney, der Brautvater, David Foster in den Schwitzkasten nahm und stolz auf mich deutete: “Look at this kid!“ Trotzdem dauerte es noch zwei geschlagene Jahre, bis mich Foster unter seine Fittiche nahm. Er erkannte wohl mein Talent, aber sein Interesse hielt sich in Grenzen. Auch er war skeptisch, ob da ein Markt für meine Art von Jazz und Swing sei. 

Und dann?

Ging ich mit meinem Manager von Bank zu Bank, um ein Darlehen aufzunehmen. Ich fand schließlich einen Investor, der mir eine halbe Million Dollar zur Verfügung stellte. Damit flog ich nach Los Angeles zu David Foster und sagte: “Hier, ich habe Geld. Wirst du jetzt mein Album produzieren?“ Er war baff und sagte zu. Dann flog er mit mir nach Las Vegas, um Paul Anka zu treffen, einen der legendärsten Crooner. In seiner Suite im MGM Grand Hotel ließ er mich vorsingen. David setzte sich ans Piano und stimmte “My Way“ an, Ankas bekanntesten Song, ausgerechnet. Ich legte los: “And now, the end is near…“ Und tatsächlich schaffte ich es, den großen Anka zu begeistern. Wir drei wurden ein Team. Dank der beiden bekam ich einen Vertrag bei Warner Brothers. Der Marketing-Manager schätzte, ich könne mit den ersten vier, fünf Platten um die 100.000 Einheiten absetzen. Dann erschien mein Debüt und verkaufte gleich über drei Millionen weltweit. Das war vor 15 Jahren.

Sprechen wir von Ihrem Image, eher Schwiegersohn als Saufkumpan. Zu Ihren Vorbildern zählt Dean Martin, aber der war nicht nur Womanizer, sondern auch stark am Glas und schlug gern mal über die Stränge. Bei Ihnen irgendwie unvorstellbar.

Man soll sich nicht täuschen (lacht). Das habe ich auch alles gemacht, bevor ich Ehemann wurde. Ich war früher wild unterwegs, das können Sie mir glauben

Und wie kam dieses Image zustande?

Durch die Plattenfirma! Als ich mit 26 Jahren meinen großen Vertrag unterschrieb, kreierten die Plattenmanager alsbald dieses Image, das perfekt zu meiner romantischen Musik passte. Das war in Zeiten vor dem Internet noch möglich, als Informationen zu Künstlern nicht überall frei verfügbar waren. 

Und Sie haben das mitgemacht?

Jein! Ich ging mit diesem Image keineswegs konform, aber ich ließ es geschehen, denn ich bin ja von Haus aus netter, empathischer Kerl, komme aus einer guten, intakten Familie. Es war also nicht verlogen. Und ich denke, es war der Manager gutes Recht, mir ein Image zu geben, denn sie hatten viel Geld in meine Karriere investiert und kannten meine Zielgruppe. Ich selbst sah mich aber viel mehr als Rockstar, denn so hatte ich bis dahin gelebt, mit allem was dazu gehört. 

Sie haben auch Drogen probiert?

Probiert!? (grinst) Gras habe ich regelmäßig geraucht. Mann, ich komme aus Kanada! Wofür ist British Columbia denn bekannt? Ich glaube, unser größter Export ist Marihuana. Seit kurzem ja auch legal. Das Rauchen war bei uns damals ganz normal. Mehr muss ich nicht sagen.

Wie bewerten Sie heute Ihre Karriere?

Ich bin zufrieden. Die ersten zehn Jahre habe ich nicht auf mich selbst geschaut, sondern immer nur rechts und links: “Oh Gott, ich singe mit Tony Bennett, ich singe mit Diana Krall, ich stehe auf der Bühne mit Celine Dion“. Mit der Zeit begann ich, mich in meiner Haut wohler zu fühlen und wurde mir meines eigenen Stils bewusst. Heute weiss ich, dass ich mir nichts mehr beweisen muss. Im Schachspiel namens Leben habe ich gewonnen. Warum? Weil ich mit sovielen großartigen Künstlern, Produzenten und Songwritern zusammenarbeiten darf – auch auf meinem neuen Album. Ich stehe auf deren Schultern und sie tragen mich. Ich musste dafür Opfer bringen und ich habe im Laufe der Zeit Dinge verloren, die ich nie wieder zurückbekommen werde, aber ich habe gewonnen. 

Sind Sie als Sänger eigentlich Naturtalent oder mussten Sie Gesangsunterricht nehmen?

Ich hatte eine Gesangslehrerin in der Nähe von Vancouver. Bei Sandi habe ich alle wichtigen Techniken gelernt, die man braucht, um zwei Stunden auf der Bühne zu bestehen. Aber heute übe ich kaum noch. (Er grinst) Sollte ich aber vielleicht…