YORK HOVEST

YORK HOVEST

VERSPROCHEN IST VERSPROCHEN

Text: Alex Gernandt

York Hovest, geboren 1978 in Wesel, international erfolgreicher Werbe- und Modefotograf und Photodirector des Quality Time Magazines, lebt in München und arbeitet auf der ganzen Welt. Berührt von einem persönlichen Zusammentreffen mit dem Dalai Lama
2011 und inspiriert von dessen bewegenden Worten über das Schicksal seines
Landes schrieb er dem Dalai Lama einen Brief, in dem er ihm versprach,
Tibet zu bereisen und zu portraitieren.

Auf dieses Versprechen bereitete sich York Hovest ein Jahr lang vor. Im Frühjahr 2013 war es dann endlich soweit. Das Abenteuer ins große Unbekannte begann. Ganze hundert Tage durchreiste Hovest ein Land, in dem er Schönheit und Tragik gleichermaßen erlebte. Für seine Fotos begab er sich immer wieder in heikle und gefährliche Situationen. Er kam an Orte, die für Besucher meist im Verborgenen bleiben oder gar nicht erst zugänglich sind.

York Hovest ist fasziniert von der atemberaubenden Natur, die Tibet ihm darbietet. Er ist beeindruckt von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Tibeter. Und davon, dass diese Eigenschaften fast genauso stark ausgeprägt sind, wie der tief in ihnen verwurzelte Buddhismus. Und dass, obwohl diese Menschen ihre Kultur und Religion nicht frei ausleben können. Die autonome Region leidet seit Jahrzehnten unter der Unterdrückung Chinas. Tibet gleicht einem Überwachungsstaat, das bekam auch Hovest am eigenen Leib zu spüren. Dabei sein ständiger Begleiter: seine Kamera. Für so manches Motiv riskiert er sogar sein Leben. Eines Nachts macht er sich ganz allein in Eiseskälte auf den Weg, um den Mount Everest zu fotografieren. Eine gefährliche Aktion, die er glücklicherweise heil überstand. Das Foto vom Mount Everest ist eines der eindruckvollsten seiner Expedition.

York Hovest hat Mut bewiesen. Er hat gezeigt, dass man alles schaffen kann, wenn man es wirklich will. Er hat dem Dalai Lama ein Versprechen gegeben und alles Menschenmögliche dafür getan, dieses Versprechen zu halten. Auch wenn es oftmals undenkbar schien, gab er nicht auf. Er ist an die Grenzen seiner psychischen und physischen Belastbarkeit gekommen und sogar weit darüber hinaus. Entstanden sind beeindruckende Aufnahmen eines Landes und seiner Menschen, das die Aufmerksamkeit der Welt mehr als verdient hat.

York Hovest schenkte uns für ein kurzes Interview seine Aufmerksamkeit und ließ für uns einige seiner Erlebnisse noch einmal Revue passieren: 

Was war der ausschlaggebende Punkt, der Dich dazu antrieb, dem Dalai Lama ein Versprechen zu geben?

Die bewegenden Worte des Dalai Lamas. Diese tiefe innere Ruhe trotz all des Leids, das er und sein Volk erfahren haben, hat mich sehr beeindruckt. Und natürlich die Begegnung mit meinem Sohn.

Du warst genau 100 Tage in Tibet. War das Teil des Versprechens?

Nein, das hat sich so ergeben. 

Hat der Dalai Lama auf Deinen Brief geantwortet?

Nein. Aber ich wusste, dass er ihn bekommen und gelesen hat.

Gab es Momente, in denen Du an Deinem Versprechen gezweifelt hast?

Ja. Bevor ich Herrn Kaufmann von meinem Projekt überzeugen konnte, war ich kurz davor zu kapitulieren. Denn ohne notwendige finanzielle Unterstützung, kann man eine solch große Expedition nicht realisieren.

Wie hast Du Dich auf Deine Reise vorbereitet?

Vorbereitung ist das A und O. Ich habe mir, die für mich interessantesten Punkte in Tibet heraus gesucht, und über Google Earth die genauen geographischen Standorte ermittelt und ausgedruckt. Des Weiteren habe ich viele Gespräche mit Tibet-Reisenden geführt und mich in die verschiedensten Geschichten Tibets hineingearbeitet. Hinzu kam natürlich auch intensives, körperliches Training. Dieses beinhaltete: Bergsteigen, Eisklettern und das permanente Austesten des Equipments in den Alpen. 

Welches Gefühl hattest Du als Du das erste Mal tibetischen Boden betreten hast?

Ich habe es endlich geschafft!!!

Wie hast Du die Tibeter erlebt?

Als geselliges, gastfreundliches und wundervolles Volk, das zwar recht zurückhaltend scheint, jedoch eine tiefe Herzlichkeit in sich trägt. 

Wie haben die Menschen auf Dich reagiert?

Zunächst sehr schüchtern. Doch mit der Hilfe meines Sherpas konnte ich das Eis immer recht schnell brechen.

Wie ist Dir die traurige Seite Tibets begegnet?

Die Zerstörung von sowohl weltlichem als auch geistigem Erbe. Eine so alte, autarke Kultur muss bewahrt werden. Die Chinesen haben alles daran gesetzt, dass dies heute kaum noch zu schaffen ist.

Gibt es ein einschlägiges Erlebnis, das Du in Tibet hattest?

Ja, davon gibt es in der Tat sehr viele, die meine Leser in dem Buch
„Hundert Tage Tibet – Das Versprechen“ nachlesen können.

Welche negativen Erfahrungen hast Du in Tibet gemacht?

Die Art, wie das Leben der Tibeter eingeschränkt wird. Die stete Präsenz des chinesischen Militärs und die vielen Ruinen, die mich immer wieder daran erinnert haben, wie dieses faszinierende Land einmal ausgesehen haben muss.

In welche gefährlichen Situationen bist Du geraten?

Als ich heimlich die Panzerkolonne fotografierte, habe ich schon viel riskiert. Oder als ich mich aus der Herberge in Old Tingri schlich, um verbotener Weise zum Mount Everest zu gelangen. Ich habe auch in vielen Tempeln fotografiert und gefilmt, was ebenfalls von den Chinesen verboten wird.

Hast Du ein Lieblingsbild von Tibet?

Der Motorradfahrer und die Langzeitbelichtung des Mount Everest sind für mich die Eindrucksstärksten. Mein ganzer Stolz.

Welche Botschaft hast Du von Deiner Tibetreise mit nach Deutschland genommen?

In der Hinsicht gibt es eigentlich keine wirkliche Botschaft. Was ich mit dem Erzählen meiner Geschichte erreichen möchte ist, die Aufmerksamkeit der Menschen auf Tibet zu lenken. Sie sollen sich selbst Gedanken machen über dieses Land, und ein wenig hinter die Kulissen blicken. 

Aufklärung ist mein Ziel, aber auch, den Menschen mit meiner Geschichte zu zeigen, dass man, wenn man etwas wirklich will, keine Angst davor haben sollte, es zu versuchen.

Würdest Du wieder nach Tibet reisen?

Jederzeit.

Das Buch „York Hovest – Hundert Tage Tibet – Das Versprechen“ ist als einzigartiger Bildband im Handel erhältlich. Präsentiert wird dieser von National Geographic in Kooperation mit Piper und Leica.